| Der
Siegeszug
Fotografien erschienen
bald in den Zeitungen. Das Interesse der
Menschen an dieser neuen Erfindung war
groß. Die Anwendung war vornehmlich
auf professionelle Portraitfotografen
beschränkt. Erst eine Senkung der
Verkaufspreise und eine Verkürzung
der Belichtungszeiten bescherten der Fotografie
den Durchbruch zum Massengebrauch. Weltruhm
erlangten damals die vom Österreicher
Petzold und Voigtländer
produzierten Objektive durch ihre ausgesprochene
Lichtstärke.
Den Fotomodellen
blieben durch die lange Belichtungszeit
bedingte Torturen nicht erspart. Kritiker
und Künstler führten eine kontroversielle
Diskussion über die neue Möglichkeit,
die Realität so abzubilden. Euphorische
Begeisterung stand kategorischer Ablehnung
gegenüber. Nicht zuletzt fürchteten
viele Maler um ihre Existenz.
Drei Faktoren haben
die Entwicklung der Fotografie, das Tempo
sowie das Ausmaß ihrer Verbreitung
seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts
wesentlich bestimmt: der politische und
soziale Aufschwung des Bürgertums,
die neue Ästhetik der Fotografie
und die Möglichkeit der massenweisen
Produktion.
In weiches Licht
gehüllte, Ruhe ausstrahlende Landschaften
und Städtebilder sind neben den Portraitfotos
gezwungenermaßen die bevorzugten
Motive. Den Fotografen der frühen
Zeit ist eines gemeinsam: Pioniergeist
und Experimentierfreudigkeit.
Trotz der anfangs
stundenlangen Belichtungszeiten war es
in weiterer Folge gerade die Bewegung,
die die künstlerische Fotografie
herausforderte.
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Stroboskobartige
Bewegungsanalysen brachten auch
für die Malerei völlig neue
Erkenntnisse, etwa wie und in welcher
Bewegungsphase die Hufe eines Pferdes
den Boden berühren. Aber auch die
Bewegungen des Menschen wurden in einer
bisher nicht gekannten Genauigkeit analysiert.
Diese Bildfolge
von Edweard Muybridge (1887)
bewies erstmals, dass das Pferd im Galopp
kurz alle vier Beine in der Luft hat.
Dieses Experiment machte Geschichte, weil
es die neue Ära der Bewegungsfotografie
einleitete.
Zeitgleich arbeiteten
Erfinder, vor allem in England, Frankreich
und Deutschland an ähnlichen Entwicklungen.
J.N. Niépce versuchte
ursprünglich, Steinplatten, Metall-
und schließlich Glasplatten als
Trägermaterial zu verwenden, scheiterte
damit aber. Erst als er Zinnplatten als
Schichtträger nutzte, gelang ihm
der Durchbruch. Daguerre
perfektionierte diese Methode für
sein System.
Talbot
arbeitete parallel zu diesen Entwicklungen
in England. Seine Forschungen haben der
Fotografie den Weg zum Massenmedium geebnet.
Seine Ideen bildeten die Grundlagen
für den Lichtsatz und die Blitzlichtfotografie.
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Stereofotografie
Die Fotografien seit
Daguerre erfüllten den schon lange
existierenden Wunsch des Menschen, die
Realität naturgetreu wiederzugeben.
Die stereoskopische Fotografie
war schon zur Mitte des vorigen Jahrhunderts
bekannt (um 1850) und löste am Anfang
eine Mode des Sammelns von Stereobildern
aus, was allerdings nur kurz währte.
Die Stereofotografie
komplettierte die Fotografie um einen
weiteren Aspekt. Um 1850 kamen die
ersten Stereoskope auf den Markt.
Das Prinzip beruhte auf der Erkenntnis
des zweiäugigen Sehens. Die Augen
liefern uns zwei leicht versetzte Bilder,
die im Gehirn zu einem räumlichen
Bild unserer Umgebung verschmelzen.
Das Stereoskop ermöglicht,
durch zwei im Augenabstand nebeneinander
aufgenommene Bilder bei der Betrachtung
ein räumlich wirkendes Bild zu erzielen.
Besonders in England und den USA kam es
zu einer regelrechten Stereomanie.
Stereodaguerreotypie
(um 1855)
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Die Portraitfotografie
Der Aufstieg und
das neue Selbstbewußtsein des Bürgertums
dokumentiert sich in der Popularität
der Portraitfotografie zur Mitte des 19.
Jahrhunderts. Die neue Technik bot für
breite Bevölkerungskreise die Möglichkeit,
durch Portraits und Gruppenaufnahmen aus
der Anonymität herauszutreten - etwas,
was bisher dem wohlhabenden Adel vorbehalten
war.
Personenaufnahmen
erforderten vom Fotografen wie vom Fotografierten
enorme Disziplin und Ausdauer. Die enorm
langen Belichtungszeiten die erst nach
und nach durch immer lichtstärkere
Objektive verschwanden, erforderten eigene
Vorrichtungen zum Festspannen der Fotografierten:
Kopf- und Körperstützen wie
dieser Universal-Kopfhalter von
Saronny war bei den langen Belichtungszeiten
notwendig.

Zu Beginn der Portraitfotografie
ähnelten die Bilder im Arrangement
stark den gemalten Portraits. Aus der
Malerei waren auch die Kulissenumgebungen
dieser Aufnahmen entlehnt (Palmen, Krüge,
Vasen, Korbgestühl), das uns heute
kurios anmutet. Bald jedoch erkannte die
Fotografie neue Wege - neue künstlerische
Aspekte. Der individuelle Ausdruck der
Modelle stand bald im Vordergrund und
reduzierte die Bildkomposition auf einfache
Licht-Schatteneffekte der Züge.
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Dokumentierte Ereignisse
Mit zunehmendem Interesse
an den Ereignissen der Zeit wurde auch
die Bildberichterstattung
wichtiger. Wie auch heute standen Kriege
im Mittelpunkt des Interesses. So wurden
der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten
von Amerika mit Mexiko und der Krimkrieg
dokumentiert. Viele Bilder erfüllten
Propaganda-Zwecke. Um die Bevölkerung
im Hinterland von der Notwendigkeit eines
Krieges zu überzeugen war nicht selten
eine Regierung der Auftraggeber. Wegen
der sehr langen Belichtungszeiten mußten
viele Bilder gestellt werden, was einseitige
Dokumentationen lieferte.
Da es bis 1881 nicht
möglich war, Fotos zu drucken, wurden
Gravuren von den Fotos hergestellt und
in den Zeitungen veröffentlicht.
Später konnte man mit dem Autotypieverfahren
auch Halbtöne im Auflagendruck reproduzieren.

"Die
Ernte des Todes"
wurde 1855 von James Robertson während
des Krimkrieges aufgenommen - John Hedgecoe/Meisterschule
der Fotografie, HallwagVerlag
Weitere Bild-
und Textquellen siehe Impressum
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