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Siegeszug
Farbfotografie
Digitale Revolution
Felix Rade
Bildmontage von O.G. Rejlander
 

Der Siegeszug

Fotografien erschienen bald in den Zeitungen. Das Interesse der Menschen an dieser neuen Erfindung war groß. Die Anwendung war vornehmlich auf professionelle Portraitfotografen beschränkt. Erst eine Senkung der Verkaufspreise und eine Verkürzung der Belichtungszeiten bescherten der Fotografie den Durchbruch zum Massengebrauch. Weltruhm erlangten damals die vom Österreicher Petzold und Voigtländer produzierten Objektive durch ihre ausgesprochene Lichtstärke.

Den Fotomodellen blieben durch die lange Belichtungszeit bedingte Torturen nicht erspart. Kritiker und Künstler führten eine kontroversielle Diskussion über die neue Möglichkeit, die Realität so abzubilden. Euphorische Begeisterung stand kategorischer Ablehnung gegenüber. Nicht zuletzt fürchteten viele Maler um ihre Existenz.

Drei Faktoren haben die Entwicklung der Fotografie, das Tempo sowie das Ausmaß ihrer Verbreitung seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts wesentlich bestimmt: der politische und soziale Aufschwung des Bürgertums, die neue Ästhetik der Fotografie und die Möglichkeit der massenweisen Produktion.

In weiches Licht gehüllte, Ruhe ausstrahlende Landschaften und Städtebilder sind neben den Portraitfotos gezwungenermaßen die bevorzugten Motive. Den Fotografen der frühen Zeit ist eines gemeinsam: Pioniergeist und Experimentierfreudigkeit.

Trotz der anfangs stundenlangen Belichtungszeiten war es in weiterer Folge gerade die Bewegung, die die künstlerische Fotografie herausforderte.

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Stroboskobartige Bewegungsanalysen brachten auch für die Malerei völlig neue Erkenntnisse, etwa wie und in welcher Bewegungsphase die Hufe eines Pferdes den Boden berühren. Aber auch die Bewegungen des Menschen wurden in einer bisher nicht gekannten Genauigkeit analysiert.

Diese Bildfolge von Edweard Muybridge (1887) bewies erstmals, dass das Pferd im Galopp kurz alle vier Beine in der Luft hat. Dieses Experiment machte Geschichte, weil es die neue Ära der Bewegungsfotografie einleitete.

Zeitgleich arbeiteten Erfinder, vor allem in England, Frankreich und Deutschland an ähnlichen Entwicklungen. J.N. Niépce versuchte ursprünglich, Steinplatten, Metall- und schließlich Glasplatten als Trägermaterial zu verwenden, scheiterte damit aber. Erst als er Zinnplatten als Schichtträger nutzte, gelang ihm der Durchbruch. Daguerre perfektionierte diese Methode für sein System.

Talbot arbeitete parallel zu diesen Entwicklungen in England. Seine Forschungen haben der Fotografie den Weg zum Massenmedium geebnet. Seine Ideen bildeten die Grundlagen für den Lichtsatz und die Blitzlichtfotografie.

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Stereofotografie

Die Fotografien seit Daguerre erfüllten den schon lange existierenden Wunsch des Menschen, die Realität naturgetreu wiederzugeben. Die stereoskopische Fotografie war schon zur Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt (um 1850) und löste am Anfang eine Mode des Sammelns von Stereobildern aus, was allerdings nur kurz währte.

Die Stereofotografie komplettierte die Fotografie um einen weiteren Aspekt. Um 1850 kamen die ersten Stereoskope auf den Markt. Das Prinzip beruhte auf der Erkenntnis des zweiäugigen Sehens. Die Augen liefern uns zwei leicht versetzte Bilder, die im Gehirn zu einem räumlichen Bild unserer Umgebung verschmelzen.

Das Stereoskop ermöglicht, durch zwei im Augenabstand nebeneinander aufgenommene Bilder bei der Betrachtung ein räumlich wirkendes Bild zu erzielen. Besonders in England und den USA kam es zu einer regelrechten Stereomanie.

Stereodaguerreotypie (um 1855)

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Die Portraitfotografie

Der Aufstieg und das neue Selbstbewußtsein des Bürgertums dokumentiert sich in der Popularität der Portraitfotografie zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Die neue Technik bot für breite Bevölkerungskreise die Möglichkeit, durch Portraits und Gruppenaufnahmen aus der Anonymität herauszutreten - etwas, was bisher dem wohlhabenden Adel vorbehalten war.

Personenaufnahmen erforderten vom Fotografen wie vom Fotografierten enorme Disziplin und Ausdauer. Die enorm langen Belichtungszeiten die erst nach und nach durch immer lichtstärkere Objektive verschwanden, erforderten eigene Vorrichtungen zum Festspannen der Fotografierten: Kopf- und Körperstützen wie dieser Universal-Kopfhalter von Saronny war bei den langen Belichtungszeiten notwendig.

Zu Beginn der Portraitfotografie ähnelten die Bilder im Arrangement stark den gemalten Portraits. Aus der Malerei waren auch die Kulissenumgebungen dieser Aufnahmen entlehnt (Palmen, Krüge, Vasen, Korbgestühl), das uns heute kurios anmutet. Bald jedoch erkannte die Fotografie neue Wege - neue künstlerische Aspekte. Der individuelle Ausdruck der Modelle stand bald im Vordergrund und reduzierte die Bildkomposition auf einfache Licht-Schatteneffekte der Züge.

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Dokumentierte Ereignisse

Mit zunehmendem Interesse an den Ereignissen der Zeit wurde auch die Bildberichterstattung wichtiger. Wie auch heute standen Kriege im Mittelpunkt des Interesses. So wurden der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika mit Mexiko und der Krimkrieg dokumentiert. Viele Bilder erfüllten Propaganda-Zwecke. Um die Bevölkerung im Hinterland von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen war nicht selten eine Regierung der Auftraggeber. Wegen der sehr langen Belichtungszeiten mußten viele Bilder gestellt werden, was einseitige Dokumentationen lieferte.

Da es bis 1881 nicht möglich war, Fotos zu drucken, wurden Gravuren von den Fotos hergestellt und in den Zeitungen veröffentlicht. Später konnte man mit dem Autotypieverfahren auch Halbtöne im Auflagendruck reproduzieren.

"Die Ernte des Todes" wurde 1855 von James Robertson während des Krimkrieges aufgenommen - John Hedgecoe/Meisterschule der Fotografie, HallwagVerlag

Weitere Bild- und Textquellen siehe Impressum

 

 
   

"The Two Ways of Life"
von Oscar G. Rejlander
(Montage aus 30 Negativen)

Die Abbildung stammt aus
dem Buch: Wilfried
Baatz/Geschichte der
Fotografie, DUMONT

 
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